Den ersten Platz belegte das Innovationsfonds-Projekt „Kinderonkologische Untersuchung durch leistungsfähige Telemedizin in Schleswig-Holstein (KULT-SH)“ (zur Website). Das Projekt richtet sich an krebskranke Kinder und Jugendliche, die an der Universitätsklinik Schleswig-Holstein (UKSH) behandelt werden. Gerade in ländlichen Regionen müssen viele Familien lange Strecken zum Krankenhaus zurücklegen. Der Einsatz von Telemedizin soll dabei helfen, infektiöse Komplikationen zu vermeiden, die Frequenz stationärer Aufenthalte zu reduzieren und Behandlungskosten zu senken. Videosprechstunden und Telemonitoring sollen den Alltag der Patient:innen erleichtern. KULT-SH möchte wissenschaftlich nachweisen, inwiefern in der kinderonkologischen Intensivtherapie Vor-Ort-Visiten durch Telemedizin ersetzt werden können. Beeindruckendste Zahl des Tages: im Rahmen des Projekts konnten bereits jetzt insgesamt Wegstrecken von 40.000 km eingespart werden – das ist der Weg ein Mal um den Globus, so Projektleiter Prof. Dr. Dr. Fabian-Simon Frielitz, Projektleiter Evaluation bei KULT-SH.
Auf Platz zwei landete eine Lösung zur 24-Stunden-Blutdruckmessung ohne Manschette (zur Website) der biopeak GmbH. Üblicherweise wird der Blutdruck mit einer herkömmlichen Blutdruckmanschette diagnostiziert. Die Firma biopeak hat ein Wearable (Uhr oder Brustpatch) für eine 24-Stunden Blutdruckmessung entwickelt. Dies ermöglicht eine kontinuierliche Erfassung relevanter Vitalparameter, ohne den Alltag der Patient:innen wesentlich zu beeinflussen. Die Cloudbasierte-Lösung übermittelt einer Arztpraxis automatisch nach 24 Stunden Daten zu u. a. Blutdruck, Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung und Herzzeitvolumen, sodass die Patient:innen im ersten Schritt nicht zurück in die Praxis müssen.
Den dritten Platz belegte „Der digitale Gesundheitslose“ (zur Website) des Universitätsklinikums Halle (Saale). Das Projekt ermöglicht eine erste mobile medizinische Ersteinschätzung für Patient:innen. Diese können ihre Symptome in eine Webanwendung eintragen und erhalten eine Ersteinschätzung ihres Krankheitsbildes und Handlungsempfehlungen zum weiteren Vorgehen. Patient:innen sollen dadurch mögliche Unsicherheiten genommen werden: Ist der Besuch einer Notaufnahme angezeigt oder reicht der Besuch in der Praxis an nächsten Werktag? Sollte ein Besuch in der Notaufnahme empfohlen werden, erhält das medizinische Personal vor Ort vorab Informationen zu den Symptomen, was das Anamnesegespräch vereinfachen und beschleunigen soll.
Weitere Finalist:innen beim Telemedizinpreis waren:
- eNurse® (zur Website)
- Telemedizinische Vorsorge bei pflegebedürftigen Patienten zur Vermeidung und Betreuung von kardiologischen Erkrankungen in der Region Ruhr (CardioCare) (zur Website)
- Kindernotdienst per Videosprechstunde – ein wegweisendes digitales Zusatzangebot der KVNO (zur Website)
- Modell für die Umsetzung der Telepflegerischen Betreuung von Pflegeheimbewohnern (MUTIG) (zu YouTube )
An der jährlichen Ausschreibung für den Telemedizinpreis können sich Institutionen aus Medizin, Wissenschaft, Ärzt:innen, Wissenschaftler:innen oder Vertreter:innen der freien Wirtschaft als Einzelperson, interdisziplinäre Arbeitsgruppe oder Projektgemeinschaften sowie Verbände und Vereine beteiligen. Die Bewertung der eingereichten Beiträge erfolgte in zwei Stufen: Eine Jury, die sich aus Vertreter:innen des DGTelemed-Vorstands zusammensetzt, wählte die besten Bewerber aus. Diese konnten ihr eingereichtes Projekt/ihre Lösung vor Ort auf dem Kongress in einem kurzen Science Slam präsentieren. Anschließend entschieden die Live-Votes des Publikums über den Sieger.
Über Deutsche Gesellschaft für Telemedizin e. V. (DGTelemed)
Die DGTelemed e. V. versteht sich als Forum für Kommunikation, Diskussion und Interessenvertretung in der Telemedizin in Deutschland und Europa. Patientenorientierung und Optimierung der Zusammenarbeit zwischen Leistungserbringern, Gesundheitsdienstleistungs- und Medizintechnikunternehmen, Verbänden und Vereinigungen gehören zum Grundverständnis ihres Handelns. www.dgtelemed.de